Niemand kann Demokratie wirksamer verteidigen – oder aber massiver schwächen – als Konservative. Auf sie kommt es an.
Ob Konrad Adenauer oder EU-Gründervater Jean Monnet: Liberal-Konservative und Christdemokraten taten sich oft als erfolgreiche Neuerer hervor. Siehe die europäische Einigung, Deutschlands Bindung an den Westen oder die soziale Marktwirtschaft. Aber schafft es der Konservatismus, sich selbst zu erneuern?
Mitte-rechts-Parteien schwanken zwischen ihrem klaren Bekenntnis zur liberalen, offenen Gesellschaft und einer Annäherung an rechtsautoritäre Kräfte. Oft erliegen sie der Versuchung, Anleihen zu machen bei diesen Populisten, die auf Radikalität anstelle von Stabilität setzen. Doch der Hauptgegner von »Maß und Mitte« steht nunmehr rechts statt links: Warum eigentlich verausgaben sich Konservative in Kulturkämpfe gegen »woke«, »grün« oder »rot«?
Maßvolle Konservative bilden die Kraft, die den Rechtsautoritären am meisten zusetzen kann. Aber auch die Kraft, die sich am ehesten von ihnen beirren lässt. Angesichts des Aufmarschs der Reaktionäre weltweit plädiert Roger de Weck für eine Selbstvergewisserung: Konservative können in Zeiten der Disruption das Versprechen auf Stabilität und ein unabhängiges Europa verkörpern – sofern sie unbeirrt in der rechten Mitte bleiben.
Der »Nahost«-Konflikt ist längst kein regionaler Konflikt mehr. An US-Colleges wird über ihn genauso erbittert gestritten wie in deutschen Museen. Wie in einem Palimpsest überlagern sich in ihm Bedeutungsschichten aus früheren Zeiten: erlittene Ungerechtigkeiten, nationale Identitäten, koloniales Erbe. Hierzulande dient er oft als Projektionsfläche für Auseinandersetzungen um Zuwanderung und Staatsbürgerschaft.
Vor dem Hintergrund der extremen Gewalt betrachtet Avner Ofrath die Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern in ihrer Verwobenheit mit Europa. Er zeichnet die komplexen historischen Kontexte nach, in denen Juden und Muslime aufeinandertrafen, und wie diese Erfahrungen ihre jeweiligen Vorstellungen des Selbst und des Anderen prägten.
Die Bundesrepublik Deutschland von Wiederaufbau bis Wiedervereinigung: das Abenteuer Jugend in der BRD
Wie war sie, die Kindheit früher in Westdeutschland, irgendwo zwischen Wirtschaftswunder und Konsumgesellschaft, 68er-Bewegung, WAA-Protesten und der Katastrophe von Tschernobyl? Nach »Die Bonner Republik« hat sich Fotograf Wolfgang Vollmer für den Greven Verlag erneut auf Bilderjagd in den Archiven begeben. Mit seinem Gespür für einzigartige Momente hat er eine Fotosammlung erstellt, die Kinder und Jugendliche aus rund vier Jahrzehnten BRD in den Blick nimmt. Dazu analysiert SZ-Journalist Heribert Prantl mit kluger Beobachtungsgabe, was junge Menschen in diesen aufregenden Zeiten prägte, begeisterte und bewegte: Von der »Bravo« bis zum Bonanzarad, von der Halbstarken-Bewegung bis zum Hausbesetzertum.
Jugend zwischen Anpassung und Aufbegehren: Fotogeschichte einer Republik im Reifeprozess
Aufgewachsen in den 50er Jahren mit der heilen TV-Welt von Lassie, Flipper und Co., erwärmten sich viele später für die Rolling Stones oder Rudi Dutschke. Zwischen biederem Alltag und radikalem Aufbruch formten sie das Gesicht einer modernen Gesellschaft der Nachkriegszeit.
Rund 250 ausgewählte historische Fotos nehmen die Leser:innen mit auf Zeitreise, u.a. von Will McBride, Barbara Klemm, Jupp Darchinger, Friedrich Seidenstücker, Christel Fomm, Abisag Tüllmann, Wolfang Haut, Dirk Reinartz, Alfred Tritschler, Brigitte Stachowski, Verena von Gagern, Hansherbert Wirtz, Marga Kingler. Anita Kloten und Oswald Kettenberger.
Der Fotoband porträtiert Jugendkulturen von Gammlern bis Punks, zeigt neue Perspektiven auf große Momente der Zeitgeschichte und erinnert an die Lieblingsspielzeuge unserer Kindheit. Eine erkenntnisreiche Studie über die Jugend in Deutschland bis zur Wende - und zugleich ein nostalgischer Blick zurück auf die eigene Biografie.
Mit beißendem, zugleich mitfühlendem Humor legt Tuvia Tenenbom die Verwerfungen von Glauben und Politik offen.
Mitten im Kriegs- und Krisenjahr reist Tuvia Tenenbom dorthin, wo Geschichte, Religion und Politik auf engstem Raum aufeinandertreffen: ins biblische Kernland zwischen Jerusalem, Nablus und den jüdischen Siedlungen – auch bekannt als Westjordanland, Judäa und Samaria, besetzte Gebiete oder einfach »dieser Ort«. Er streift durch Siedlungen und Flüchtlingslager, trifft Rabbiner und Radikale, Aktivisten und Journalisten, Palästinenser und Politiker. Er sammelt Geschichten, die überraschen und verstören – und zeigt eine Welt, die älter ist als jeder Konflikt und komplexer als jedes Schlagwort.
Seine literarische Reportage ist voller verblüffender Begegnungen, scharfer Beobachtungen und surreal anmutender Episoden – provokant, respektlos und mit scharfem Blick für menschliche Widersprüche. Und mehr und mehr kristallisiert sich die alles entscheidende Frage heraus: Wie nennt ihr dieses Land hier? Wem also gehört dieses Land? Wer darf hier bleiben, wer soll gehen? Wer schreibt die Geschichte – und wer wird in ihr verschwinden?
Ob im Gespräch mit messianischen Juden, arabischen Dorfbewohnern oder amerikanischen Demonstranten: Tenenbom legt Mythen und Propaganda Schicht für Schicht frei – und enthüllt eine ebenso einfache wie beunruhigende Wahrheit: Nichts in diesem Land ist so, wie es scheint.
Gabriel Zucman gehört zu den bekanntesten und renommiertesten Ökonomen weltweit. Seit Jahren forscht er zu Steuergerechtigkeit und Steuervermeidung. Gerade diejenigen, so sein Befund, die ein im wahrsten Sinne des Wortes unvorstellbares Vermögen angehäuft haben, leisten oft keinen angemessenen Beitrag zur Finanzierung öffentlicher Kassen. Das ist nicht nur ein Problem für die Staatsfinanzen, sondern auch eine eklatante Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes.
Im Februar 2025 votierte die französische Nationalversammlung für die »Taxe Zucman«: eine Steuer von zwei Prozent für Superreiche. Seither steht Gabriel Zucman im Zentrum einer hitzigen Debatte. Während einer der reichsten Menschen der Welt ihn persönlich diffamierte, wird er auf den Straßen Frankreichs gefeiert. In seinem neuen Buch erläutert er seinen Vorschlag so kompakt wie verständlich und erklärt, wie seine Steuer auch in Deutschland funktionieren kann.
Das Manifest gegen Dummheit, Faulheit und Einfachheit im Umgang mit der Vielgestaltigkeit des afrikanischen Kontinents
Mehr als 1.4 Milliarden Menschen, 54 Länder, über 2.000 Sprachen, seit Jahrzehnten auf einfache Geschichten reduziert: Hunger, Safaris, vielleicht noch brutale Diktaturen. Ein ganzer Kontinent wird bis zur Horrorhaftigkeit simplifiziert, mit desaströsen Folgen … Dipo Faloyin hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Stereotype aus der Welt zu schaffen. Mit Biss, Tempo, unwiderstehlichem Charme zeichnet er ein zeitgemäßes Porträt Afrikas: urbanes Leben in Lagos, der erfolgreiche Kampf für Demokratisierung, die Kehrseite der Charity-Industrie, durchgeknallte kulinarische Rivalitäten, lebendige zivilgesellschaftliche Bewegungen, die einzigartige Rolle der Aunties im Großfamiliengefüge. Dipo Faloyin erzählt andere Geschichten, positiv, divers, kompliziert. Immer getrieben von Lebenslust und dem Glauben an eine großartige Zukunft trotz aller kolonialen Hindernisse.
Afrika ist kein Land korrigiert eine globale Wahrnehmungsverzerrung. Es ist das erzählerische Manifest gegen Dummheit, Faulheit und Einfachheit im Umgang mit der Vielgestaltigkeit des afrikanischen Kontinents. Und eine absolut hinreißende Intervention.